Doch Elisabeth Pfluger beschwichtigt: «Es geht mir gut. Ich bin wohl noch ein wenig erkältet.» Hier an der Gärtnerstrasse in Solothurn lebt die Sagensammlerin in ihrer 3-Zimmer-Wohnung seit der Pensionierung als Primarlehrerin im Jahr 1984. «Ich bin in Solothurn zu Hause. Obwohl meine gesamte Verwandtschaft im Gäu lebt.»

Und sie berichtet: «Im letzten Jahr haben wir uns überlegt, ob ich in deren Nähe ziehen wolle, wegen meines Alters ... Ich habe mir sogar eine Wohnung in Fulenbach angeschaut. Aber das war dann doch nichts. Ich bin hier daheim. Ich werde in Solothurn sterben», sagt sie in ihrer stets sehr direkten Art.

Noch immer ist sie mobil; fährt mit ihrem Auto gewohnte Strecken, meistens zur Verwandtschaft nach Fulenbach. «Bis vor kurzem war ich auch gerne mal im Schwarzbubenland unterwegs», erzählt sie. Dort besucht sie gerne Freunde in Mariastein, Zullwil oder Dornach. Doch in diesem Jahr sei das nicht mehr vorgekommen.

In Kürze stehe gar wieder die Fahrstunde an, in der entschieden würde, ob sie noch weiterfahren könne, erzählt sie. «Die ärztliche Prüfung habe ich jedenfalls bestanden.» Dass Elisabeth Pfluger ihren Führerschein einfach so abgibt, kommt nicht infrage. Ein Leben lang hat sie selbst bestimmt, wie sie ihr Leben gestaltet und dies ist auch beim Autofahren nicht anders.

Einladungen fürs «Gotti»

Zwei- bis dreimal pro Woche trifft sie sich mit Bekannten zum Mittagessen in verschiedenen Restaurants in der Stadt. «Und wenn ich alleine bin, gehe ich gerne über die Strasse zum Essen in den Solo-Markt», berichtet sie. An den Wochenenden wird «s Gotti» dann meist von den Nichten und Neffen im Gäu eingeladen.

«Selbst mache ich mir eigentlich nur das Zmorge und Znacht hier. Ich kaufe noch selbst ein oder bitte eine Nachbarin, mir ein paar Dinge zu ‹poschten›». Sie hätten es eben gut hier, die Bewohner in ihrem Block, hebt sie hervor.

Durchschnittlich fast alle vierzehn Tage ist die Sagen- und Geschichtenerzählerin unterwegs zu einer Lesung irgendwo im Kanton. «Am letzten Wochenende war ich in der Schälismühle im Gäu. Das war schön.» In ein paar Tagen hat sie ein Engagement in Murgenthal. «Meistens erzähle ich dann Geschichten aus demjenigen Dorf, in welches ich eingeladen werde.»

Für das aargauische Murgenthal gab es deshalb eine Knacknuss zu lösen. «Ich habe ja nur Geschichten aus dem Kanton Solothurn gesammelt. Doch die Veranstalter sagten mir, dass dort so viele Wolfeler und Fulenbacher lebten, dass ich gerne auf meine Geschichten zurückgreifen könne.»

Elisabeth Pfluger hat alle ihre Geschichten fein säuberlich auf A4-Blätter schreibmaschinen-getippt festgehalten. Jedes Blatt ist nach Ortschaft in ein Klarsichtmäppchen abgelegt. So kann sie die jeweils nötigen Geschichten rasch finden, kurz vor dem Anlass durchlesen und sich so vorbereiten. «Lustige Geschichten kommen immer gut an», weiss Elisabeth Pfluger.

Wieder ein Buch

Am 20. November erscheint das jüngste von Elisabeth Pflugers Büchern – «Olten isch zmits». Es sind kurze und längere Schmunzelgeschichten rund um die Dreitannenstadt. «Geschichten, die noch nie publiziert wurden», ist Pfluger wichtig zu erwähnen, denn noch immer besitzt sie einen grossen Fundus von nicht publizierten Müsterchen.

Diese nun erscheinen im Eigenverlag der Fulenbacherin Claudia Brander, die sich bereit erklärt hat, eine kleine Buchreihe mit noch nie veröffentlichten Geschichten zu verlegen. «Diese junge Frau hat eine enorme Energie», schwärmt Elisabeth Pfluger. Sie freut sich, jemanden wie sie gefunden zu haben. Ob es dann in drei Jahren, zum Hundertsten, den Ehrensessel der Solothururner Regierung gibt? Sie lacht und ist bescheiden. «Ich habe doch schon einen bequemen Sessel.»